Archiv der Kategorie 'Veranstaltung'

Linke Perspektiven auf die soziale Frage

Veranstaltung zu Ansätzen linker sozialer Intervention
am Beispiel des Frankfurter Bündnisses „Frankfurt für alle“

Menschen brauchen Wohnraum, ökonomisches Auskommen und kulturelle Räume. Jahrzehnte neoliberaler Austeritäts- und Kürzungspolitik haben für immer mehr Menschen den Zugang hierzu erschwert. Nicht zuletzt die selbstermächtigte Überwindung der EU-Grenzen durch mehr Geflüchtete als je zuvor (und deren Versorgungsbedürfnisse) lässt den desolaten Zustand sozialer Grundversorgung offenkundig werden (z.B. mit bezahlbaren Wohnungen), mit der Folge, dass der Kampf um diese verknappten Ressourcen absehbar härter und schwieriger wird.

Die Frage der sozialen Absicherung, Teilhabe und Ressourcenverteilung ist aktuell und offen.

Von rechts (und im Nachzug von der etablierten „Mitte“) wird diese mit den üblichen Rezepten von Ausgrenzung, Spaltung und chauvinistischer Besitzstandwahrung beantwortet. Beinahe wöchentlich gibt es neue Anläufe, Aufenthaltsrechte zu beschneiden und Menschen, die ökonomisch nicht „verwertbar“ sind, abzuschieben. Andere werden unter härteren Arbeitsdruck gesetzt und soziale Standarts weiter eingedampft, worauf u.a. die Streikbewegungen des letzten Jahres reagiert haben.

Wollen wir nicht, dass dieser Kampf um Ressourcen unter den Bedingungen sozialer Spaltung gegeneinander ausgetragen, sondern dass er gemeinsam geführt wird, braucht es Ideen und Strukturen, die gemeinsames Handeln und die gemeinsame Suche nach Antworten unterstützen. Wie können sich existierende soziale Kämpfe und unterschiedliche Gruppen aufeinander beziehen und in gemeinsamen Kämpfen verbinden?

Eine solche Struktur beginnt das Frankfurter Bündnis FFM4ALL mit ihren „Frankfurt für alle“ – Ratschlägen aufzubauen. (Broschüre dazu: „Crossing Arms, Crossing Fights“ )

Aus den Erfahrungen dieses Bündnisses und von den Ideen, die es tragen, wird uns Hinrich Garms aus Offenbach, der an diesem Prozess aktiv beteiligt ist, berichten. Wir möchten gerne die Chancen und Möglichkeiten einer solchen Initiative, ihre Voraussetzungen und Fallstricke – natürlich auch als Überlegung für Bielefeld – mit Hinrich und Euch diskutieren.

07. März | 20 Uhr | Extra Blues Bar
Veranstaltet von der Interventionistischen Linken mit Hinrich Garms

Need for Speed? Thesen zum Akzelerationismus

1. Ways of Future Pasts. (Radikale) Linke, folk politics und komplexe Zeiten.

In der ersten These wird der Fetisch der politischen Linken für lokale Politiken, direkte Aktionen und symbolische Gesten assoziiert mit ihren Schwierigkeiten zur Artikulation positiver Zukunftsentwürfe. Die routinierte Verteidigungshaltung in der politischen Linken verwundert nicht nur angesichts katastrophaler sozialer und ökonomischer Zustände, sondern auch aufgrund gegenwärtiger technologischer Bedingungen für die Gestaltung einer post-kapitalistischen Gesellschaft.

2. Accelerate epistemic capacities!

Die zweite These argumentiert, dass die politische Linke von einer Angst vor der Zukunft paralysiert ist, weil sie die Bedingungen für eine Navigation durch die zukunftsorientierten Möglichkeiten der Gegenwart mit dem kapitalistischen Projekt gleichsetzt. Spekulationen sowie mehr oder weniger konkrete Strategien für ein emanzipatorisches Morgen werden heute der Entfremdung preisgegeben. Ideen für ein notwendig anderes Verständnis von Rationalität als konstitutiv für linke Politik runden diese traurige Betrachtung ab.

3. Kommunismus durch Digitalisierung?

Die dritte These diskutiert die Machbarkeit eines kybernetischen Kommunismus. Was steckt hinter den Hoffnungen auf eine Demokratisierung durch soziale Medien oder auf einen Umschwung in den Kommunismus durch technologische Beschleunigung? Dabei werden historische Beispiele aus Chile und der Sowjetunion skizziert, die eine digital gesteuerte Produktion und Güterverteilung jenseits von Marktmechanismen anstrebten. Im Anschluss daran wird die Frage gestellt, in welchem Verhältnis digitale Technologien zu gesellschaftlicher Emanzipation stehen.

01. Februar | 20 Uhr | Extra Blues Bar
Veranstaltet vom Revision Medienkollektiv mit Paul Buckermann; Anne Koppenburger & Simon Schaupp

Alternativveranstaltung Dezmeber

Da die unten angekündigte Veranstaltung für den Dezmber leider Ausfallen muss hier das neue Thema:

Europäische Horizonte
Transnational Social Strike, Blockupy, Beyond Europe, …
Wo stehen wir, was geht, was geht nicht?
Noch zu Beginn dieses Jahres war in unseren Reihen eine Euphorie zu
spüren: die Wahl der Syriza zur Regierungspartei hatte bei aller Kritik
und Skepsis einen Gedanken des „Europa von unten“ (neu) belebt. Die
breite Solidarität gegen die Akte der Austerität, das Signal des OXI
trotz der Erpressung durch die Troika hat uns eine Ahnung davon spüren
lassen, wie ein Europa aussehen könnte.

Seit dem Juli herrscht eher Katerstimmung und europäische Initiativen
von unten scheinen in der Defensive. Wir wollen mit verschiedenen kurzen
Inputs einige davon vorstellen, den Stand der Dinge darlegen und die
Frage aufwerfen: was hat das alles mit uns zu tun?

07. Dezember | 20 Uhr | Extra Blues Bar
Veranstaltet von der interventionistischen Linken Bielefeld mit Referent*in von UmsGanze

Achtung: Fällt aus! Konsumkritik als subversive Praxis oder kapitalistische Selbstoptimierung?

Achtung: Diese Veranstaltung muss in dieser Form leider ausfallen. Sollte es eine Alternative am genannten Termin geben, wird diese hier angekündigt!
Lebensmittel aus ökologischer Landwirtschaft, vegetarische und vegane Kost, fair gehandelte Produkte, sauberer Strom, Tauschbörsen und Aufrufe zum Shoppingverzicht – der Trend geht zum kritischen Konsumbewusstsein. Längst hat Konsumkritik dabei die Nischen des politischen Aktionismus und der Subkultur verlassen – der Staat steuert und subventioniert, wie es sich manche Grüne vor 20 Jahren nicht hätten träumen lassen. Doch wie ernst kann genommen werden, was sich nicht zuvorderst gegen die Scheinheiligkeit der Politik, gegen deren Befangenheit in der globalen Standortkonkurrenz und schon gar nicht gegen das Wesen der kapitalistischen Produktionsweise an sich richtet? Weshalb geriert sich der allgegenwärtige Aufruf zum Verzicht gegenwärtig in erster Linie als eine Aufforderung an das Individuum? Und wie wirklichkeitsfremd sind alternative Selbstoptimierer, die die kapitalistische Ökonomie mittels Foodsharing-Projekten, Urban Gardening- und Biokooperativen in die Knie zwingen wollen?

07. Dezember | 20 Uhr | Extra Blues Bar
Veranstaltet von der Antifa AG mit Ulrich Schuster und Lydia Jakobi, Gruppe „Roter Salon“, Conne Island, Leipzig

Achtung: Diese Veranstaltung muss in dieser Form leider ausfallen. Sollte es eine Alternative am genannten Termin geben, wird diese hier angekündigt!

Umgang mit Migration in Europa: Rassistische Zuspitzung oder historische Chance?

Hunderttausende haben sich diesen Sommer auf der Flucht vor Krieg, Zerstörung, Hunger und Armut auf den Weg nach Europa gemacht. Ihnen wurde viel mediale Aufmerksamkeit und Willkommensgrüße zuteil, aber auch massive Einschüchterung durch Sicherheitskräfte und durch rechte Bewegungen in ganz Europa. Innerhalb weniger Tage wurden Grenzen geöffnet und wieder geschlossen, Zäune gebaut, Busse bereit gestellt, Bahnverbindungen gestoppt. Die Dublin-Regelungen sind durch die Realität längst überholt und zumindest temporär außer Kraft gesetzt. Die EU bereitet indes Militäreinsätze gegen „Schleuserbanden“ vor und die Bundesregierung bezieht sich positiv auf die offen rassistische Politik der ungarischen Regierung, indem sie den Vorschlag, Internierungslager an den Außengrenzen einzurichten, aufnimmt. Zeitgleich werden hierzulande so viele rassistische Brandanschläge und andere Übergriffe wie nie zuvor verübt. Angesichts dieser Zustände fühlen sich viele an die 1990er Jahre erinnert. Doch einiges ist anders: zugleich fing eine aktive Zivilgesellschaft tatkräftig an zu helfen, die politische Debatte verschob sich – zunächst in Richtung mehr Humanismus, jetzt wieder in Richtung Grenzsicherung. Immer wieder passierten Dinge, die vor wenigen Wochen noch undenkbar schienen.
Wie sind diese Umbrüche im europäischen Migrationsregime zu bewerten? Haben wir hier erlebt, was Autonomie der Migration heißen kann, dass die Politik den realen Bewegungen und Entwicklungen kaum hinterherkommt? Was bedeuten die Ereignisse der letzten Wochen für die Situation der Geflüchteten in Europa? Und vor allem: was sollten (radikale) Linke in Europa angesichts der Entwicklungen praktisch tun?

Der Referent war diesen Sommer an der Unterstützung der Geflüchteten am Wiener Westbahnhof beteiligt und beschäftigt sich seit vielen Jahren im Rahmen des Netzwerks Kritische Migrations- und Grenzregimeforschung (kritnet) mit sozialen Kämpfen von Geflüchteten für Bewegungsfreiheit und Würde.

02. November | 20 Uhr | Extra Blues Bar
Veranstaltet von der interventionistischen Linken Bielefeld