Mutlu Ergün erzählt im „Kara Günlük – Die geheimen Tagebücher des Sesperado“ von spaßigen Cihadisten, knallharten Aktivist_innen und einem Lyrical Guerilla, der auch über sich selbst lachen kann. Diese politische Rebellion strapaziert nicht nur das Hirn, sondern auch die Lachmuskeln. Das „Kara Günlük“ ist eine lustige Liebesgeschichte, maskiert als Widerstanskampf und gelebter Widerstand maskiert als Liebesgeschichte. Sesperados Familien- und Freundeskreis entblößt immer wieder die unfreiwillige Komik des Alltagsrassismus und stößt damit Angehörige der Mehrheitsgesellschaft immer wieder aus ihrer Privilegien-Kuschelecke. Kara Günlük – Die geheimen Tagebücher des SESPERADO ist eine amüsante Anleitung, wie man rebellieren und gleichzeitig Spaß dabei haben kann.
Mutlu Ergün, studiert an der London School of Economics Soziologie und lebt derzeit als Autor, Pädagoge, Sozialforscher und Performer in Berlin. Seit 2001 ist Ergün Mitglied beim anti-rassistischen Verein Phoenix e.V. und dort als White-Awareness und Empowerment-Trainer tätig. Seit 2010 ist er auch Mitherausgeber für die Edition insurrection notes des Unrast Verlags, wo Autor_innen of Color ihre Prosatexte veröffentlichen können. Er arbeitet seit 2004 als Redakteur beim Kultur- & Gesellschaftsmagazin freitext. Zusammen mit Noah Sow entwickelte er die anti-rassistische politische Satire „Edutainment-Attacke!“, für die er bisweilen in Deutschland performt.
04. Juni 2012 | von move and resist!/antira ag mit Mutlu Ergün
Schlimmbach-Oberfrohna, Fiesbaden, Geiselverhöring – Deutschland klingt vielfach schlimm, sieht oft auch so aus und ist es nicht nur den Namen nach. Doch man soll das Leid nicht durch Aussprechen dieser grauenhaften Wörter vervielfachen. Wir verlegen uns an diesem „Roten Montag“ auf analytische Fragen und sprechen darüber wie man es in Deutschland erst zur geläuterten Nation und dann zum Aufarbeitungsweltmeister geschafft hat. Uns interessiert der Zusammenhang von Nationalismus, Rassismus und Antisemitismus und der Aufstieg des historisch recht jungen Konzepts „Nation“. Zwei ReferentInnen sind eingeladen — mit einem rosa Kaninchen namens Pink Rabbit haben sie Deutschland bereist und geschaut, wie die Selbstkonstitution als Nation in der Praxis aussieht. Davon werden sie berichten. Außerdem haben sie statt des rosa Plüschkaninchens ein Wortungetüm mitgebracht: den „historisch situierten Antinationalismus.“ Was das alles kann und wie das aussieht werden sie uns hoffentlich erklären.
07. Mai 2012 | von [RoterMontag] mit NFJ Berlin
http://www.naturfreundejugend-berlin.de/ | http://www.pink-rabbit.org/
Im Anschluss laden wir euch ein, mit uns, den „Jazz Challengers“ und nem Sekt (einen auf unsern Deckel!) in den Tag der Befreiung reinzufeiern! Die Jazz Challengers warten auf mit Klassikern aus der Swing und Big-Band-Ära. Klavier, E-Bass, Schlagzeug und Trompete sorgen für jazzigen Old School-Sound getreu dem Motto:
„It don‘t mean a thing if it ain‘t got that swing!“
Wer heute noch von Kulturindustrie spricht, steht schnell im Ruf, elitärer Bildungsbürger zu sein, der den Massen ihr Vergnügen verleiden will. Bei Kulturindustrie denken die meisten unweigerlich an Hollywood – und übersehen, dass der Begriff bei Adorno und Horkheimer mehr und anderes meint als bloß Film, Funk und Fernsehen: nämlich die umfassende gesellschaftliche Organisation indivueller Erfahrung. Inmitten der entfremdeten Verhältnisse suggeriert Kulturindustrie intime Nähe. Sie versorgt die Subjekte mit jenem Weltbezug, ohne den sie als vereinzelte Einzelne zugrunde gingen, und lässt dabei keinen Gegenstand unbearbeitet und keinen Konsumenten unerfasst. Ihr heimliches Motto – »für jeden wird gesorgt« – ähnelt darum nicht zufällig dem des autoritären Sozialstaats. Kulturindustrie duldet weder geistige Strenge noch unreglementierte Lust. Passieren lässt sie nur, was sich in den Dienst des großen Ganzen stellt. Wenn sich Kulturindustrie überhaupt national eingrenzen ließe, hieße daher ihr Heimatland nicht Amerika, sondern Deutschland. Hier entstanden nicht nur die bedeutungsschwangeren UFA-Filme der Weimarer Republik, sondern auch das Bild vom Krieg als Konsumartikel, der »Schlacht als innerem Erlebnis«. Hier lauschte man gebannt dem Führer am Volksempfänger und tankte nach getaner Vernichtungsarbeit Kraft durch Freude. Hier wurden nach 1945 all die politisch inopportun gewordenen völkischen Ideologeme ins Bermudadreieck von Heimatschnulze, Goetheabend, Landserroman und Fußballbund ausgelagert, und hier konnte nach 1968 eine Revolte umstandslos in kommunistische Kostümfeste und alternative Kleinkunstproduktion überführt werden. Hier schließlich nehmen, während die offiziellen Staatsempfänge keinen Hund mehr hinter dem Ofen hervorlocken, patriotische Spektakel inzwischen die zeitgemäße Form schwarz-rot-geiler Volksbespaßung an. Auch um diesen Zusammenhang von Kulturindustrie und deutscher Ideologie soll es auf der Veranstaltung gehen.
Lars Quadfasel ist assoziiert in der Hamburger Studienbibliothek und der Gruppe Les Madeleines.
02. April 2012 | von [association critique] mit Lars Quadfasel
Gesellschaftliche Herrschaftsverhältnisse haben viele Dimensionen, wie
z.B. der Kapitalismus, das Geschlechterverhältnis und der Rassismus.
Sie sind zwar miteinander verschränkt, aber nicht auseinander
abzuleiten. Herrschaftsverhältnisse sind dabei nicht als etwas zu
denken, das den Menschen, die innerhalb dieser Verhältnisse leben, nur
äußerlich ist. Unser „Selbst“ wird innerhalb unserer sozialen
Beziehungen hergestellt und wirkt auf diese Beziehungen zurück.
Eine reflexive linksradikale Kritik sollte deshalb in Rechnung
stellen, dass wir alle als Akteur_innen immer bereits platziert
werden. Es spricht vieles dafür, die permanente Verstrickung des
eigenen Lebens und des eigenen Alltags in gesellschaftliche
Herrschaftsverhältnisse nicht auszuklammern.
Eine aktive Praxis der Positionierung innerhalb der zu kritisierenden
Verhältnisse könnte Teil unserer Kritik und unserer Handlungsfähigkeit
sein, um Praxen der Ausschließung und der Diskriminierung aber auch
der Privilegierung und Dominanz sichtbar und angreifbar zu machen –
nicht zuletzt auch innerhalb der eigenen linken Zusammenhänge.
Folgende Fragen möchten wir am Roten Montag mit Euch diskutieren:
Was kann reflexive Herrschaftskritik für unsere politischen Praxen
bedeuten?
Wie lässt sich eine Einheit von Aktion und Reflexion verwirklichen?
05. März 2012 | von :uniLinks! mit dem Komitee „Ringen mit Engeln!“
In dem kürzlich bei Theorie.Org erschienenen Buch «Antifa – Geschichte und Organisierung» verfolgen die Autor_innen die Vorläufer, Theorien und Praktiken der linksradikalen Antifaschist_innen und erläutern konkret die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der gegenwärtigen Ausprägungen, wie Antideutsche, Antinationale oder Bewegungslinke.
Den Leser_innen bietet sich mit diesem Buch die Möglichkeit, Erkenntnisse über bereits erarbeitete und verworfene Theorien sowie Erfolge und Niederlagen der Praxis zu sammeln, was gerade für die moderne, sich im stetigen Wandel befindliche, radikale Antifa von großer Bedeutung ist.
Das Buch hilft dabei, Wissen um die eigene Geschichte zu erlangen, damit das Rad nicht immer neu erfunden werden muss. Stattdessen können die Leser_innen die Entwicklung einer gesellschaftlich wirksamen, emanzipatorischen Bewegung vorantreiben.
06. Februar 2012 | von Antifa AG mit jemandem aus dem Autor_Innenkollektiv