Archiv der Kategorie 'Lesung'

Lexikon der Leistungsgesellschaft – Lesung mit Sebastian Friedrich

Der Streifzug durch alltägliche Begriffe der »Leistungsgesellschaft« erkundet die vorherrschende Ideologie des flexiblen Kapitalismus: den Neoliberalismus. Er ist weit mehr als ein wirtschafts- und sozialpolitischer Ansatz. Die neoliberale Ideologie prägt unsere Persönlichkeit, unser Denken, unser Handeln. Während wir Sport treiben, wir über unseren Arbeitgeber sprechen, als sei er unser bester Freund, wir in Dating-Portalen nach der Liebe fürs Leben oder dem schnellen Sex suchen, wir unser 70er Jahre-Rennrad das Altbau-Treppenhaus hochtragen, wir herzhaft über die Prolls in der Eckkneipe lachen, wir uns über unsere aktuellen Prokrastinationserfahrungen austauschen, wir mit einem coffee to go bewaffnet im Stechschritt durch die Stadt marschieren, wir lustige ironisch-geistreiche Anmerkungen machen, wir uns wieder nicht entscheiden können und wir am Ende des Tages einmal mehr versucht haben, das zu verdrängen, was längst Gewissheit geworden ist: dass es so nicht weitergehen kann.

*Der Autor:*
/Sebastian Friedrich/ ist Redakteur von kritisch-lesen.de und Verfasser der
Kolumne „Lexikon der Leistungsgesellschaft“, die seit April 2013 bei der linken
Monatszeitung ak– analyse und kritik erscheint.

05. Dezember 2016 | 20 Uhr | Extra Blues Bar
veranstaltet von der AG Freie Bildung der Universität Bielefeld mit Sebastian Friedrich

Firmenhymnen – Ein analytisch-satirischer Abend mit Thomas Ebermann und Kristof Schreuf

Ein analytisch-satirischer Abend mit guter und schlechter Musik, zur Erforschung eines Phänomens, das Schlüsse auf die Verrücktheit des kapitalistischen Ganzen erlaubt

Von und mit Thomas Ebermann und Kristof Schreuf

In den vergangen Jahren haben sich einige Tausend Unternehmen eine Firmenhymne zugelegt. Sie versprechen sich davon – in Kombination mit anderen Maßnahmen von Gehirnwäsche und corporate identity – dass die Motivation der Belegschaft steige und der Krankenstand sinke. Wenn man schon, um in der Arbeitswelt zu bestehen, immer neue Höchstleistungen der Entsagung meistern muss, so soll man doch besingen, wie gut man es gerade in dieser Firma mit ihren fairen Chefs und menschheitsbeglückenden Produkten angetroffen hat.

Die Fernsehberichte, die infantile Belegschaften beim Singen ihrer Hymne zeigen, lassen uns in scheinbar glückliche Gesichter blicken. Aber – so lautet der letzte Hoffnungsstrohhalm der Gesellschaftskritiker_innen – vielleicht sind sie ja gar nicht freiwillig angetreten. Vielleicht fürchten sie ja bloß die Repression, die allen Verweigerern des gutgelaunten Mitmachens droht.

Vielleicht aber – das wäre die schrecklichere Variante – ist der Fremdzwang, die Erniedrigung zum Humankapital, schon in das Fühlen und Wollen der Lohnarbeiter_innen eingedrungen. Oder man kann die ganze Scheiße – die Arbeitswelt und die ihr so ähnliche Gestaltung der ‘Freizeit’ – nur ertragen, indem man sich beides als erfüllt und spannend zurecht lügt.

Thomas Ebermann (Autor des Theaterstücks “Der Firmenhymnenhandel”) reflektiert diese Zusammenhänge; Kristof Schreuff (letzte CD: “Bourgeois with guitar”) fällt ihm musikalisch ins Wort, bebildert und widerspricht.

Auf der Leinwand zelebrieren hochkarätige Musikerinnen und Musiker absoluten Schund. Firmenhymnen wortgetreu, aber teilweise mit verführerisch guter Musik unterlegt:

Bernadette La Hengst, Lisa Politt, Thomas Pigor, Dirk von Lowtzow (Tocotronic), Gustav Peter Wöhler, Schorsch Kamerun (Die Goldenen Zitronen), Rocko Schamoni, Harry Rowohlt, Horst Tomayer, Jens Rachut und viele mehr…

02.12.2013 | 20h | von [Roter Montag] mit Thomas Ebermann und Kristof SchreufE

Werttheorie des Postoperaismus

In der postoperaistischen Theorie zeigt sich der Versuch, unterschiedliche soziale Bewegungen und gesellschaftliche Konflikte mit Hilfe der Marx’schen Theorie sowie poststrukturalistischer Zugänge zusammenzubringen. Als wichtigstes Werk dieser Theorie gilt die „Empire“-Trilogie von Hardt/Negri aus dem Jahre 2000, welche innerhalb der Linken breit diskutiert wurde. Die Hauptthese des Buches ist, dass zentrale Marx’sche Kategorien wie Wertgesetz und Klassenstruktur angesichts neuer kapitalistischer Produktionsformen revidiert werden müssen: Da die heute vorherrschende Form von Arbeit in erster Linie immaterielle Arbeit sei und diese sich nicht in verausgabter Arbeitszeit quantitativ messen lassen könne, müsse das Wertgesetz – bei Marx immerhin einer der zentralen Kritikpunkte zur Bestimmung der kapitalistischen Gesellschaft als strukturell antagonistische Vergesellschaftung – aufgegeben werden.

In seiner Monographie „Werttheorie des Postoperaismus“ rekonstruiert Phillip Metzger zunächst das Marx’sche Wertgesetz, um auf dieser Grundlage nach dem theoretischen Gehalt der Analyse von Hardt/Negri zu fragen. Uns erwartet ein Überblick über und eine Einführung in die zentralen Marx’schen Konzepte wie „abstrakte Arbeit“, „Tauschwert“ und „Fetischcharakter“, um davon ausgehend die Frage zu klären, was dran ist an den postoperaistischen Thesen der immateriellen Arbeit und des Verschwindens des Wertgesetzes.

Buchvorstellung und Diskussion
06. August 2012 | von Gruppe Kritik & Intervention mit Phillip Metzger

Kara Günlük – Die geheimen Tagebücher des Sesperado

Mutlu Ergün erzählt im „Kara Günlük – Die geheimen Tagebücher des Sesperado“ von spaßigen Cihadisten, knallharten Aktivist_innen und einem Lyrical Guerilla, der auch über sich selbst lachen kann. Diese politische Rebellion strapaziert nicht nur das Hirn, sondern auch die Lachmuskeln. Das „Kara Günlük“ ist eine lustige Liebesgeschichte, maskiert als Widerstanskampf und gelebter Widerstand maskiert als Liebesgeschichte. Sesperados Familien- und Freundeskreis entblößt immer wieder die unfreiwillige Komik des Alltagsrassismus und stößt damit Angehörige der Mehrheitsgesellschaft immer wieder aus ihrer Privilegien-Kuschelecke. Kara Günlük – Die geheimen Tagebücher des SESPERADO ist eine amüsante Anleitung, wie man rebellieren und gleichzeitig Spaß dabei haben kann.

Mutlu Ergün, studiert an der London School of Economics Soziologie und lebt derzeit als Autor, Pädagoge, Sozialforscher und Performer in Berlin. Seit 2001 ist Ergün Mitglied beim anti-rassistischen Verein Phoenix e.V. und dort als White-Awareness und Empowerment-Trainer tätig. Seit 2010 ist er auch Mitherausgeber für die Edition insurrection notes des Unrast Verlags, wo Autor_innen of Color ihre Prosatexte veröffentlichen können. Er arbeitet seit 2004 als Redakteur beim Kultur- & Gesellschaftsmagazin freitext. Zusammen mit Noah Sow entwickelte er die anti-rassistische politische Satire „Edutainment-Attacke!“, für die er bisweilen in Deutschland performt.

04. Juni 2012 | von move and resist!/antira ag mit Mutlu Ergün

„Antifa – Geschichte und Organisierung.“ Eine Buchvorstellung.

In dem kürzlich bei Theorie.Org erschienenen Buch «Antifa – Geschichte und Organisierung» verfolgen die Autor_innen die Vorläufer, Theorien und Praktiken der linksradikalen Antifaschist_innen und erläutern konkret die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der gegenwärtigen Ausprägungen, wie Antideutsche, Antinationale oder Bewegungslinke.
Den Leser_innen bietet sich mit diesem Buch die Möglichkeit, Erkenntnisse über bereits erarbeitete und verworfene Theorien sowie Erfolge und Niederlagen der Praxis zu sammeln, was gerade für die moderne, sich im stetigen Wandel befindliche, radikale Antifa von großer Bedeutung ist.
Das Buch hilft dabei, Wissen um die eigene Geschichte zu erlangen, damit das Rad nicht immer neu erfunden werden muss. Stattdessen können die Leser_innen die Entwicklung einer gesellschaftlich wirksamen, emanzipatorischen Bewegung vorantreiben.

06. Februar 2012 | von Antifa AG mit jemandem aus dem Autor_Innenkollektiv