Eine jede Kritik der Gesellschaft, die auf Veränderung der Verhältnisse abzielt, steht für dem Problem der Mobilisierung der „Massen“ – ohne die Unterstützung des Großteils einer Bevölkerung ist eine revolutionäre Perspektive, die dauerhafte Emanzipation anstrebt, nicht denkbar. Es stellt sich also die Frage, wie revolutionäre Kritik und Praxis in eine Bewegung getragen bzw. überhaupt in Bewegung gebracht werden können. In der radikalen Linken war und ist diese Aufgabe bisher ungelöst. Folgerichtig gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher theoretischer wie praktischer Herangehensweisen, in denen verschiedene Vorstellungen des Funktionierens der Gesellschaft und verschiedene praktische Ansätze ihren Niederschlag finden. Nach dem historischen Fehler staatsautoritärer Formierung in Parteistrukturen und der Erkenntnis, dass die Arbeiter nicht an sich revolutionäres Subjekt sind, streitet die radikale Linke: ist eine Kritik der Gesellschaft und die Möglichkeit ihrer Überwindung allein in Bewegung zu finden, ist also jeder Protest, sei er auch zunächst unkritisch, eine Möglichkeit, auf die Straße zu gehen, sich zu beteiligen und damit etwas zu erreichen (etwa Interventionistische Linke, Antifa)? Oder laufen derlei partikulare, an Sachfragen orientierte Kämpfe letzten Endes auf eine Organisierung gesellschaftlicher Probleme statt deren Überwindung, also auf die Stärkung des Bestehenden hinaus (etwa …umsGanze!)? Oder ist eine positive, emanzipatorische Perspektive auf Grundlage des bestehenden Falschen ohnehin nicht denkbar? Diese und andere Fragen wollen wir mit euch diskutieren.
2. Januar 2012 | von und mit Gruppe Kritik & Intervention
Dem Kirchenchor dazwischensingen!
Ende November beginnt sie wieder, die Adventszeit. Draußen wird es immer ungemütlicher, dunkel und kalt, drinnen treffen sich die Familien bei heißem Kakao und Kerzenschein, es Weihnachtet gar zu sehr und die alljährlichen Lieder werden angestimmt um Christkind, Nikolaus und Weihnachtsmann willkommen zu heißen. Dabei fällt bei aller Heimeligkeit untern vollbepackten Tisch, dass Nikolaus und Weihnachtsmann ihre Geschenke nicht selber basteln, ja selbst der Vertrieb der Produkte ist längst outgesourct! Den Wichteln, die die Drecksarbeit da draußen bei Eiseskälte verrichten müssen, den Rentieren, die sich vor lauter Frust ´ne rote Nase saufen, kurz: der Arbeiterschaft gilt unsere Solidarität! Einen Tag vor Nikolaus, bevor die Lieder angestimmt werden, mit denen diese gar schrecklichen Arbeitsbedingungen jedes Jahr auf´s Neue verherrlicht und gerechtfertigt werden, wollen wir euch einladen mit uns zusammen und in vollem Brustton der Überzeugung, unterstützt durch eine wärmende Lokalrunde, die alten und jüngeren Klassiker des Proletariats anzustimmen!
5. Dezember 2011 | von und mit Roter Montag
Fast genauso lange sind Rainer Trampert und Thomas Ebermann nun schon mit ihrer satirischen Lesung auf der Bühne. Die beiden werden einen Querschnitt aus der Sammlung ihrer Stücke bieten, die zu „20 Jahren deutsche Einheit“ und dem 3. Oktober passen. Ein Rückblick voller Überraschungen, bei dem es je nach Laune um eine deutsche Stadt im Schwarzwald, deutsche Flaggenparaden auf Fußballfesten, die Leitkultur am Beispiel einer Wagner-Oper, die Ehrung eines berühmten Fußballspielers, saubere Häuserwände, die Rückkehr der Hirnforschung zur Schädelmessung, die neuen Elite-Unis, eine Nachbetrachtung zum deutschen Herbst, deutsche Märchen, einen deutschen Troubadour oder um etwas anderes aus dem reichhaltigen Programm gehen wird.
Nach der Kritik „haben Trampert und Ebermann brillanten, an Marx geschulten Humor“, bei dem auch noch „vor jeder Pointe eine ernsthafte Analyse steht“ (taz). Mancherorts hatten sie „einem Teil des Publikums derart zugesetzt, dass ihnen schon zur Pause der Kopf raucht“ (Mopo). ?Was das Duo präsentiert, hat den Charakter einer dialogischen Lesung, bei der die Sätze und Satzteile ineinander greifen „eine wirkungsvolle und unbestechliche Montagetechnik.“ Nur „die Frage, wie Deutschland den Sprung in die Zukunft schafft, blieb eher offen“, kritisierte die Rheinische Post. Das ist wieder zu befürchten, weil Trampert und Ebermann den Vorsatz pflegen, dem Zeitgeist die Arglosigkeit zu nehmen, ohne sich das Denken durch politischen Pragmatismus verkleistern zu lassen.
3. Oktober 2011 | von Gruppe Kritik & Intervention mit Rainer Trampert und Thomas Ebermann