Schlimmbach-Oberfrohna, Fiesbaden, Geiselverhöring – Deutschland klingt vielfach schlimm, sieht oft auch so aus und ist es nicht nur den Namen nach. Doch man soll das Leid nicht durch Aussprechen dieser grauenhaften Wörter vervielfachen. Wir verlegen uns an diesem „Roten Montag“ auf analytische Fragen und sprechen darüber wie man es in Deutschland erst zur geläuterten Nation und dann zum Aufarbeitungsweltmeister geschafft hat. Uns interessiert der Zusammenhang von Nationalismus, Rassismus und Antisemitismus und der Aufstieg des historisch recht jungen Konzepts „Nation“. Zwei ReferentInnen sind eingeladen — mit einem rosa Kaninchen namens Pink Rabbit haben sie Deutschland bereist und geschaut, wie die Selbstkonstitution als Nation in der Praxis aussieht. Davon werden sie berichten. Außerdem haben sie statt des rosa Plüschkaninchens ein Wortungetüm mitgebracht: den „historisch situierten Antinationalismus.“ Was das alles kann und wie das aussieht werden sie uns hoffentlich erklären.
07. Mai 2012 | von [RoterMontag] mit NFJ Berlin
http://www.naturfreundejugend-berlin.de/ | http://www.pink-rabbit.org/
Im Anschluss laden wir euch ein, mit uns, den „Jazz Challengers“ und nem Sekt (einen auf unsern Deckel!) in den Tag der Befreiung reinzufeiern! Die Jazz Challengers warten auf mit Klassikern aus der Swing und Big-Band-Ära. Klavier, E-Bass, Schlagzeug und Trompete sorgen für jazzigen Old School-Sound getreu dem Motto:
„It don‘t mean a thing if it ain‘t got that swing!“
Wer heute noch von Kulturindustrie spricht, steht schnell im Ruf, elitärer Bildungsbürger zu sein, der den Massen ihr Vergnügen verleiden will. Bei Kulturindustrie denken die meisten unweigerlich an Hollywood – und übersehen, dass der Begriff bei Adorno und Horkheimer mehr und anderes meint als bloß Film, Funk und Fernsehen: nämlich die umfassende gesellschaftliche Organisation indivueller Erfahrung. Inmitten der entfremdeten Verhältnisse suggeriert Kulturindustrie intime Nähe. Sie versorgt die Subjekte mit jenem Weltbezug, ohne den sie als vereinzelte Einzelne zugrunde gingen, und lässt dabei keinen Gegenstand unbearbeitet und keinen Konsumenten unerfasst. Ihr heimliches Motto – »für jeden wird gesorgt« – ähnelt darum nicht zufällig dem des autoritären Sozialstaats. Kulturindustrie duldet weder geistige Strenge noch unreglementierte Lust. Passieren lässt sie nur, was sich in den Dienst des großen Ganzen stellt. Wenn sich Kulturindustrie überhaupt national eingrenzen ließe, hieße daher ihr Heimatland nicht Amerika, sondern Deutschland. Hier entstanden nicht nur die bedeutungsschwangeren UFA-Filme der Weimarer Republik, sondern auch das Bild vom Krieg als Konsumartikel, der »Schlacht als innerem Erlebnis«. Hier lauschte man gebannt dem Führer am Volksempfänger und tankte nach getaner Vernichtungsarbeit Kraft durch Freude. Hier wurden nach 1945 all die politisch inopportun gewordenen völkischen Ideologeme ins Bermudadreieck von Heimatschnulze, Goetheabend, Landserroman und Fußballbund ausgelagert, und hier konnte nach 1968 eine Revolte umstandslos in kommunistische Kostümfeste und alternative Kleinkunstproduktion überführt werden. Hier schließlich nehmen, während die offiziellen Staatsempfänge keinen Hund mehr hinter dem Ofen hervorlocken, patriotische Spektakel inzwischen die zeitgemäße Form schwarz-rot-geiler Volksbespaßung an. Auch um diesen Zusammenhang von Kulturindustrie und deutscher Ideologie soll es auf der Veranstaltung gehen.
Lars Quadfasel ist assoziiert in der Hamburger Studienbibliothek und der Gruppe Les Madeleines.
02. April 2012 | von [association critique] mit Lars Quadfasel
Gesellschaftliche Herrschaftsverhältnisse haben viele Dimensionen, wie
z.B. der Kapitalismus, das Geschlechterverhältnis und der Rassismus.
Sie sind zwar miteinander verschränkt, aber nicht auseinander
abzuleiten. Herrschaftsverhältnisse sind dabei nicht als etwas zu
denken, das den Menschen, die innerhalb dieser Verhältnisse leben, nur
äußerlich ist. Unser „Selbst“ wird innerhalb unserer sozialen
Beziehungen hergestellt und wirkt auf diese Beziehungen zurück.
Eine reflexive linksradikale Kritik sollte deshalb in Rechnung
stellen, dass wir alle als Akteur_innen immer bereits platziert
werden. Es spricht vieles dafür, die permanente Verstrickung des
eigenen Lebens und des eigenen Alltags in gesellschaftliche
Herrschaftsverhältnisse nicht auszuklammern.
Eine aktive Praxis der Positionierung innerhalb der zu kritisierenden
Verhältnisse könnte Teil unserer Kritik und unserer Handlungsfähigkeit
sein, um Praxen der Ausschließung und der Diskriminierung aber auch
der Privilegierung und Dominanz sichtbar und angreifbar zu machen –
nicht zuletzt auch innerhalb der eigenen linken Zusammenhänge.
Folgende Fragen möchten wir am Roten Montag mit Euch diskutieren:
Was kann reflexive Herrschaftskritik für unsere politischen Praxen
bedeuten?
Wie lässt sich eine Einheit von Aktion und Reflexion verwirklichen?
05. März 2012 | von :uniLinks! mit dem Komitee „Ringen mit Engeln!“
Eine jede Kritik der Gesellschaft, die auf Veränderung der Verhältnisse abzielt, steht für dem Problem der Mobilisierung der „Massen“ – ohne die Unterstützung des Großteils einer Bevölkerung ist eine revolutionäre Perspektive, die dauerhafte Emanzipation anstrebt, nicht denkbar. Es stellt sich also die Frage, wie revolutionäre Kritik und Praxis in eine Bewegung getragen bzw. überhaupt in Bewegung gebracht werden können. In der radikalen Linken war und ist diese Aufgabe bisher ungelöst. Folgerichtig gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher theoretischer wie praktischer Herangehensweisen, in denen verschiedene Vorstellungen des Funktionierens der Gesellschaft und verschiedene praktische Ansätze ihren Niederschlag finden. Nach dem historischen Fehler staatsautoritärer Formierung in Parteistrukturen und der Erkenntnis, dass die Arbeiter nicht an sich revolutionäres Subjekt sind, streitet die radikale Linke: ist eine Kritik der Gesellschaft und die Möglichkeit ihrer Überwindung allein in Bewegung zu finden, ist also jeder Protest, sei er auch zunächst unkritisch, eine Möglichkeit, auf die Straße zu gehen, sich zu beteiligen und damit etwas zu erreichen (etwa Interventionistische Linke, Antifa)? Oder laufen derlei partikulare, an Sachfragen orientierte Kämpfe letzten Endes auf eine Organisierung gesellschaftlicher Probleme statt deren Überwindung, also auf die Stärkung des Bestehenden hinaus (etwa …umsGanze!)? Oder ist eine positive, emanzipatorische Perspektive auf Grundlage des bestehenden Falschen ohnehin nicht denkbar? Diese und andere Fragen wollen wir mit euch diskutieren.
2. Januar 2012 | von und mit Gruppe Kritik & Intervention
Input & Austausch über die Interventionistische Linke
In der Interventionistischen Linken (IL) sind zur Zeit um die 25 verschiedenen linken Gruppen, Initiativen und Zeitungsprojekt aus dem gesamten Bundesgebiet organisiert, hierunter der Düsseldorfer Antifa-KOK, die Berliner Gruppe FelS (Für eine linke Strömung) und die Monatszeitschrift Analyse & Kritik. Seit ihrer Gründung 2005 versucht die IL in politische Auseinandersetzungen eingreifen, gesellschaftliche Kräfteverhältnisse nach links zu verschieben und ihre Kritik an den herrschenden Zuständen in breiten Bündnissen deutlich zu machen. Einige von der IL mitgetragene Kampagnen waren: Block G8 (Heiligendamm 2007), die Proteste gegen den Kongress von Pro Köln (2008), die alljährlichen Massenblockaden gegen die Naziaufmärsche in Dresden oder Castor Schottern im vergangenen Jahr.
An diesem Roten Montag wird ein Vertreter der Interventionistischen Linken nicht nur die Entstehung der IL und die damit verbundenen Überlegungen beschreiben, sondern auch einen Einblick in aktuelle Projekte und Diskussionen geben. Zudem wollen wir gemeinsam einen Blick auf den Umgang mit Machtverhältnissen und Hierarchiebildung in linken Gruppen werfen.
7. November 2011 | von und mit :uniLinks!